DELFI-HISTORIE

1994 hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen des
Forschungsprogramms Stadtverkehr (FOPS) ein Projekt aufgelegt, das die
technische Machbarkeit einer deutschlandweiten elektronischen Fahrplanauskunft
nachweisen sollte (DELFI I). Die Gutachter kamen zu einem positiven Ergebnis,
allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, das aus ihrer Sicht noch vertiefende
Untersuchungen notwendig werden. Die Länder waren nicht eingebunden. Das BMV
legte daraufhin das Folgeprojekt DELFI II auf, diesmal allerdings unter Einbezug
aller Bundesländer. Es wurde schnell klar, dass es nicht allein um den Nachweis der
theoretischen Machbarkeit, sondern um die eigentliche Umsetzung des Vorhabens
gehen musste. Es ging um die Zusammenführung der Fahrplanauskunftssysteme
der DB AG und regionaler Systeme für eine einheitliche Auskunft.

Die nachfolgende Projektbearbeitung erfolgte parallel auf zwei Wegen:

1. Technische Seite: Im Rahmen des Projektes "DELFI II", das im Auftrag des BMV
aus Mitteln des Forschungsprogramms Stadtverkehr aufgelegt wurde, schlossen
sich die bekanntesten deutschen Systemhersteller von Software für ein
Fahrplaninformationssystem zusammen. Sie hatten den Auftrag, technische
Lösungen für die Vernetzung unterschiedlicher Systeme zu finden, die nicht
diskriminierend waren und offene Schnittstellen aufwiesen.

2. Administrative Seite: Die Länder übernahmen zusammen mit dem Bund und der
DB AG, die Feststellung der Rahmenbedingungen für die Themen "Sicherstellung
der Aufgabenverantwortung", "Organisation" und "Finanzierung" . Die Arbeit wurde
durch ein Bund-Länder-Gremium aufgenommen.


DELFI II wurde 1997 erfolgreich abgeschlossen und lies eine Fortsetzung des
Projektes erfolgversprechend erscheinen. Es wurde gezeigt, dass bei
entsprechenden Rahmenbedingungen deutschlandweite Fahrplanauskünfte die
Vernetzung unterschiedlicher Systeme im wesentlichen mit zwei technischen
Ansätzen möglich ist:

1. Das schon bisher praktizierte Integrieren verschiedener Fahrplandaten in
unterschiedlichen Formaten in einen nach gleichen Regeln aufgestellten Datenpool
auf einem Auskunftsserver. Dem hierfür erforderlichen Integrationsaufwand stehen
als Vorteile Schnelligkeit, geringere Betriebskosten bzw. ein geringer
Telekommunikationsaufwand, Unabhängigkeit von anderen Systemen im Hinblick
auf Verfügbarkeit und auf die Erweiterung von Auskunftsfunktionalitäten
gegenüber. Der teilweise erhebliche Integrationsaufwand ist jedoch umso höher, je
öfter und je mehr Daten zusammengeführt werden müssen.

2. Das offene System der verteilten Verbindungssuche (API-Lösung). Bei einer
Anfrage über mehrere regionale Systeme hinweg gibt jedes System für seinen
Streckenteil eine Teilauskunft, die ein übergeordneter Suchcontroller ohne weitere
Zeitverluste zu einer einheitlichen Auskunft zusammensetzt. Ein Datenaustausch ist
damit nicht mehr erforderlich. Dies ist gerade bei aktuellen Daten wichtig. Zudem
ist eine Ausweitung über die Grenzen Deutschlands hinaus ist möglich.

In mehreren Sitzungen der Bund-Länder AG hat man sich auf die Favorisierung der
zukunftsträchtigeren API-Lösung geeinigt, zumal auch die DB AG damals nicht
bereit war, ihre Daten ohne weiteres für eine umfassende Pooling-Lösung heraus
zu geben. Zugleich gelang es, unter den Ländern Konsens über den
organisatorischen Aufbau und für eine Anschubfinanzierung herzustellen. Die Ziele
des Projekts sowie die Grundsätze der Zusammenarbeit, Organisation und
Finanzierung wurden in einer Konvention niedergelegt, der schrittweise bis 2001
alle Bundesländer und die DB AG beitraten.

Für die Sicherstellung der Zusammenarbeit unter den vielen Akteuren wurde ein
DELFI - Koordinator eingesetzt. Diese Rolle übernahm nach einem entsprechenden
Angebot des Vorstandsvorsitzenden der DB AG gegenüber der
Verkehrsministerkonferenz im Jahr 2000 die DB AG mit der Zusage, diese Funktion
unbefristet und für die Länder auf Dauer kostenlos auszuüben.

Nachdem das Projekt DELFI II die technischen Grundlagen geschaffen hat, auf
deren Basis DELFI betrieben werden kann, war das Bundesministerium für Bau,
Wohnungswesen und Verkehr (BMVBW) im Jahr 2001 bereit, durch das Auflegen
eines weiteren Projekts DELFI III die Produktionsreife des Systems durch ein
Konsortium aller in Deutschland marktführenden Softwarehersteller nachweisen zu
lassen.

DELFI III ist im Juni 2002 erfolgreich abgeschlossen worden. Es wurde
nachgewiesen, dass in einer Testumgebung die verteilte Verbindungssuche
funktioniert. Mit Mitteln der Anschubfinanzierung der Länder sind im Rahmen eines
Testbetrieb in Echtzeit via Internet zwischen Juli 2002 und Dezember 2002
erkannte Fehlerquellen beseitigt und der Aufbau der sog. Metadatenverwaltung
(gemeinsam verwendete Daten, die für das Zusammenspiel der einzelnen Systeme
essentiell sind) optimiert worden. Angestrebt wird eine deutschlandweite
Flächendeckung noch im Laufe des Jahres 2004.