Absichtserklärung „Memorandum of Understanding“ (MOU) zur Verbesserung der digitalen Fahrgastinformation im öffentlichen Personenverkehr

1. Einleitung

Die digitale Transformation im ÖPV schreitet mit hoher Dynamik voran und eröffnet neue Möglichkeiten für eine vernetzte, effiziente und kundenorientierte Mobilität. Gleichzeitig bestehen in wesentlichen Fragen zur Ausgestaltung der Mobilität der Zukunft noch Klärungsbedarfe, insbesondere im Hinblick auf Rollen, Verantwortlichkeiten und Beiträge der beteiligten Akteure.

Die Unterzeichner sind sich einig, dass diese Transformation nur im partnerschaftlichen Zusammenwirken erfolgreich gestaltet werden kann. Sie verstehen die digitale Transformation als gemeinsame Chance, den ÖPV nachhaltig zu stärken, Innovationen voranzutreiben und die Mobilität der Zukunft im Sinne der Fahrgäste aktiv zu gestalten.

2. Ausgangslage und Zielsetzung

Digitale Fahrgastinformationen sind ein zentraler Baustein eines leistungsfähigen, attraktiven und zukunftsfähigen öffentlichen Verkehrs. Mit der fortschreitenden Vernetzung der Datenlandschaft steigen sowohl die Geschwindigkeit der Informationsverbreitung als auch die Erwartungen der Fahrgäste an aktuelle, verlässliche Echtzeitdaten sowie durchgängige, konsistente und verständliche Fahrgastinformation.

Diesen berechtigten Erwartungen wird die Branche derzeit noch nicht in ausreichendem Maße gerecht. Fahrgäste erleben wiederholt unvollständige, widersprüchliche oder verspätete Informationen. Mit zunehmendem Störgeschehen und Bauvolumen verstärken sich diese Folgen. Ziel dieser Absichtserklärung ist es daher, eine Organisationsform für ein Branchengremium des öffentlichen Personenverkehrs zu entwickeln, durch dessen Wirken die Qualität und Verfügbarkeit von Fahrgastinformationen kanal- und unternehmensübergreifend spürbar und nachhaltig verbessert werden.

3. Herausforderungen

Der öffentliche Personenverkehr in Deutschland steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Entwicklungen wie das Deutschlandticket, On-Demand-Verkehre, Automatisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie zunehmendes Baugeschehen und die notwendige Organisation von Ersatzverkehren erhöhen die Komplexität zusätzlich – bei gleichzeitig begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Hochwertige Fahrgastinformation erfordert belastbare Daten, einheitliche Standards sowie abgestimmte und durchgängige Prozesse. Insellösungen, Doppelentwicklungen und unkoordinierte Einzelinitiativen sind vor diesem Hintergrund ineffizient und nicht mehr zielführend. Sie binden unnötig finanzielle und personelle Ressourcen.

Zwar existieren zahlreiche Initiativen und Gremien, die wichtige Beiträge leisten. Es fehlt jedoch an einer übergreifenden, vernetzten, entscheidungsfähigen Struktur zur verbindlichen Koordination zentraler branchenweiter Fragestellungen, insbesondere bei Querschnittsthemen wie Datenmanagement, Datenqualität und Fahrgastinformation.

4. Gemeinsames Verständnis

Die Unterzeichner sind sich einig, dass die bestehenden Herausforderungen nur durch ein koordiniertes und gemeinsames Vorgehen bewältigt werden können. Einzelne Akteure wer-den diese Aufgaben nicht isoliert lösen können. Eine enge und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit klaren Verantwortungszuweisung ermögliche eine schnelle, effiziente und flächendeckende Umsetzung wirksamer Lösungen.

5. Gemeinsame Initiative

Vor diesem Hintergrund erklären die Unterzeichner ihren Willen,

  • die Zusammenarbeit deutlich zu intensivieren
  • zentrale Herausforderungen gemeinsam zu adressieren
  • Synergien konsequent zu nutzen und
  • abgestimmte, Lösungsansätze für die Branche zu entwickeln und innerhalb ihres eige-nen Verantwortungsbereichs umzusetzen.

Hierzu soll zeitnah ein übergreifendes Entscheidungsgremium eingerichtet werden, das:

  • prioritäre Themen identifiziert und bündelt
  • gemeinsame Leitlinien und Empfehlungen erarbeitet und
  • die Umsetzung in der Breite unterstützt und vorantreibt.

Potentielle Themen des Gremiums wären u.a.:

  • Optimierung des Datenaustauschs zwischen Verkehrsunternehmen, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen, Ländern, Verbünden, Aufgabenträgern und DELFI bei Soll-Fahrplänen, Echtzeitdaten und Infrastrukturdaten
  • Weiterentwicklung von Standards für Haltestellen- und Infrastrukturelementen
  • Weiterentwicklung von Standards und Prozessen für die Fahrgastinformation, bspw. bei Ersatzverkehren oder in der Störungskommunikation.

Die Unterzeichner verstehen sich als Impulsgeber („First Mover“). Das Gremium ist ausdrücklich offen für weitere relevante Akteure der Branche.

6. Organisation & Struktur

Im Zuge der Etablierung des oben beschriebenen branchenübergreifenden Gremiums sind auf Basis der bestehenden Standardisierungs- und Branchengremien (z.B. DELFI-Experten-kreis, VDV-K3, BSN AG Fahrgastinformation, BRIQ) konkrete Rollen und Aufgaben, die eine aktive Teilnahme und Mitarbeit regeln, festzulegen sowie wesentliche Fragen zur Organisation, Kompetenz, Vermeidung von Doppelarbeiten in Gremien der Branche und Finanzierung zu beantworten.

7. Einordnung

Die Initiative greift u.a. die Ergebnisse der Taskforce „zuverlässige Bahn“ auf und unterstützt deren Umsetzung insbesondere im Bereich des Themenfeldes „Verlässliche Daten für Reisendeninformation und Betrieb“. Ziel in diesem Kontext ist es, die Überführung der Taskforce-Erkenntnisse in konkretes, gemeinsames Handeln zu unterstützen.

8. Unverbindlichkeit

Diese Absichtserklärung begründet keine rechtlich bindenden Verpflichtungen. Sie dokumentiert den gemeinsamen Willen der Unterzeichner zur Zusammenarbeit und zur Weiterentwicklung der beschriebenen Initiative.


unterzeichnet am 28.04.2026 in Berlin